JenaWasser

Bei Kanalbauarbeiten alten Friedhof von Bucha entdeckt

Bei Kanalbauarbeiten in Bucha wurden insgesamt 14 hochmittelalterliche Skelette gefunden und von Archäologen für die Wissenschaft geborgen.

[13. Mai 2020]

Einen bizarren Fund machten Bauarbeiter der im Auftrag des Zweckverbandes JenaWasser tätigen Firma ZEUTIE aus Zeulenroda-Triebes bei Kanalbauarbeiten im südlichen Teil von Bucha: Bei Schachtarbeiten rund um die Dorfkirche entdeckten sie rechteckige Verfärbungen und Knochen, die sich später als Reste historischer Grabstätten erweisen sollten.  

Unverzüglich wurde das Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie hinzugezogen und eine sogenannte Rettungsgrabung begonnen. Dabei legten die Wissenschaftler in den nur wenige Meter langen und einen Meter breiten Leitungsgräben insgesamt 14 teilweise vollständig erhaltene menschliche Skelette frei. Die Funde wurden geborgen und nach Weimar überführt. Dort werden sie in den nächsten Monaten wissenschaftlich untersucht. Außerdem fotografierten, vermaßen und zeichneten die Wissenschaftler das aufgefundene Bodendenkmal, um es für die Wissenschaft zu erhalten.  

“Wir gehen davon aus, dass wir hier auf den alten Friedhof von Bucha gestoßen sind”, sagte der zuständige Grabungsleiter vor Ort, Andreas Hummel. “Darauf lässt die unmittelbare Nähe zur Kirche schließen, aber auch der Umstand, dass alle Körper in West-Ost-Ausrichtung orientiert sind und relativ dicht beieinander liegen.” Auch wenn es für konkrete Erkenntnisse noch zu früh sei: “Wir schätzen die Skelette auf die Zeit des Hoch- oder Spätmittelalters. Wir gehen also davon aus, dass sie mindestens 500 bis 600 Jahre alt sein könnten.”  

Eine genauere Datierung der Knochen sei vor Ort schwierig, weil keine Grabbeigaben gefunden worden sind. Auch geben weder Reste von Särgen oder noch irgendwelche Alltagsgegenstände, wie Scherben oder Werkzeuge, den Archäologen Anhaltspunkte auf den zeitlichen Ursprung der Funde. Die Skelette wurden in unterschiedlichen Tiefen zwischen 70 und 170 Zentimetern gefunden. “Insofern ist noch nicht einmal klar, ob sie alle aus derselben Zeitepoche stammen.” Aufgrund der Lage der Körper steht aber fest, dass die an den Kirchplatz angrenzenden Gehöfte teilweise deutlich später errichtet worden sein müssen.  

Zumindest über die “Identität” der nun in Bucha gefundenen Körper werden die Anthropologen im Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in den kommenden Monaten noch einiges herausfinden: Chemisch-biologische Analysen ermöglichen es, u.a. das Sterbealter der Personen, ihr biologisches Geschlecht und evtl. vorhandene Krankheiten zu ermitteln. Mithilfe der sogenannten C14-Methode zur Altersbestimmung organischen Materials werden sich die Wissenschaftler auch dem tatsächlichen Sterbezeitraum der gefundenen Skelette noch weiter annähern können. Sobald mehr fundierte Erkenntnisse vorliegen, so stellt Andreas Hummel in Aussicht, sei auch ein kleiner Vortragsabend denkbar, in dem die Buchaer mehr über die Funde auf ihrem Kirchplatz erfahren können. Das Interesse daran, das zeigen die vielen neugierigen Fragen der vorbeikommenden Dorfbewohner, scheint jedenfalls groß zu sein. 

Seit April vergangenen Jahres laufen die Kanalbauarbeiten des Zweckverbandes JenaWasser in der südlichen und nördlichen Dorfstraße in Bucha. Ziel ist der Anschluss des Ortes an die Zentralkläranlage in Jena-Zwätzen. Dafür errichtet JenaWasser ein getrenntes Kanalsystem für Schmutz- und Regenwasser, erneuert Abwasserschächte und Hausanschlüsse. Auch die Trinkwasserleitungen und die dazugehörigen Hausanschlüsse werden modernisiert.  

Seit Mitte März bereits waren die Archäologen des Landesamtes regelmäßig an der Baustelle vor Ort. Je weiter sich die Bagger Richtung Kirchplatz vorgearbeitet hatten, umso wahrscheinlicher war es, auf historische Fundstücke zu stoßen. Mitte April schließlich war es dann soweit. „Durch diese enge archäologische Baubegleitung konnten größere Bauverzögerungen vermieden werden“, schätzt Andreas Hummel ein. Inzwischen laufen die Arbeiten von JenaWasser in Bucha planmäßig weiter. Bis zur Jahresmitte soll die Baumaßnahme abgeschlossen sein.