JenaWasser

Klärschlamm: Teurer Abfall, wertvolle Ressource

Klärschlamm ist das Restprodukt der Abwasserreinigung in unseren zentralen Kläranlagen. Jährlich fallen im Verbandsgebiet des Zweckverbandes JenaWasser knapp 10.000 Tonnen dieses erdig-dunklen, humusartigen Substrates an. Konnte Klärschlamm bis vor einigen Jahren noch als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt werden, ist dies nach Gesetzesänderungen seit 2017 kaum noch möglich. Inzwischen wird unser Klärschlamm vollständig in entsprechenden Müllverbrennungsanlagen mit verbrannt.

Entscheidung für mehr Gewässerschutz

Durch diese Entscheidung wollte der Gesetztgeber die Böden und das Grundwasser vor dem Eintrag gefährlicher Stoffe schützen. Denn der Klärschlamm enthält zum einen wertvolle Pflanzenstoffe, wie Phosphor- und Stickstoffverbindungen sowie humusbildende Stoffe. Zum anderen können sich im Klärschlamm aber auch Schwermetalle, Medikamentenreste und bedenkliche Mikroorganismen ansammeln, die aus dem Abwasser stammen. 

So ist die Verbrennung der Klärschlämme inzwischen zum dominierenden Entsorgungsweg geworden. Vor der Verbrennung muss der Klärschlamm zunächst getrocknet werden, denn am Ende aller Verwertungsschritte in unseren Kläranlagen enthält der Klärschlamm immer noch 75% Wasser. 

Infolge der höheren Nachfrage sind die Marktpreise in den vorhandenen Klärschlammtrocknungs- und Verbrennungsanlagen in den vergangenen Jahren extrem gestiegen. Inzwischen belasten sie die Gebührenentwicklung im Zweckverband JenaWasser erheblich. 

Strategisches Ziel: Phosphor zurückgewinnen

Der im Klärschlamm enthaltene Phosphor ist ein wertvoller Rohstoff, der weltweit nur in begrenzten Mengen vorkommt. Überdies liegen die Haupt-Abbaugebiete in politisch instabilen Regionen Nordafrikas. Phosphor wird v.a. als Dünger für die Landwirtschaft gebraucht. Deshalb müssen ab 2029 die enthaltenen Phosphorverbindungen aus der Klärschlammasche zurückgewonnen werden.

Erst schrittweise gehen die dafür notwendigen Mono-Klärschlammverbrennungsanlagen und großindustriellen Anlagen zur Phosphorrückgewinnung in Betrieb. Wirtschaftlich zu betreiben sind diese nach derzeitigem Technologiestand erst ab sehr großen Klärschlammmengen von etwa 50.000 Tonnen pro Jahr.

17 kommunale Aufgabenträger bündeln ihre Kräfte

Gemeinsam wollen 17 kommunale Aufgabenträger der Abwasserentsorgung den wirtschaftlichsten und gebührenverträglichsten Weg zur Klärschlammentsorgung finden. Dafür bündeln sie ihre Kräfte und ihr Know-How im 2020 gegründeten „Zweckverband Kommunale Klärschlammverwertung Thüringen".

Die Mitglieder haben dem neuen Verband ihre Aufgabe der Klärschlammentsorgung übertragen. Gemeinsam produzieren sie rund 35 Prozent des gesamten Klärschlammaufkommens im Freistaat Thüringen.

Zur Erfüllung dieser Aufgabe wird einerseits der Bau einer eigenen Trocknungs- und Verbrennungsanlage geprüft, aber auch die Kooperation mit einem benachbarten kommunalen Klärschlammnetzwerk und die gemeinsame Leistungsausschreibung. Momentan spricht einiges für die beiden erstgenannten Optionen. Die Erarbeitung der endgültigen strategischen Ausrichtung wird daher die erste Aufgabe des neu gebildeten Zweckverbandes sein.