JenaWasser

Mikroplastik im Abwasser

Hunderte Tonnen von winzig kleinen Plastikteilchen gelangen alljährlich in unsere Flüsse und Meere und landen über Fische und andere Meeresfrüchte schließlich wieder auf unseren Tellern. Denn Mikroplastik stellt unsere Kläranlagen zunehmend vor Probleme: Zwar kann ein Großteil der Kunststoffe durch die moderne Abwasserreinigung entfernt werden, bei weitem aber nicht alle. Wir haben Ihnen Zahlen und Fakten zum Thema zusammengetragen.

Mikroplastik: Was ist das eigentlich?

Als Mikroplastik werden Plastikstücke bezeichnet, welche kleiner als 5 mm sind. Sie sind also teilweise mit dem bloßen Auge schwer zu erkennen. Es gibt zwei Sorten von Mikroplastik:

  • primäres Mikroplastik sind gezielt hergestellte Kunststoffe, z.B.

    • Basispellets, die das Grundmaterial für die Plastikproduktion darstellen
    • Granulate in Kosmetik und Hygieneprodukten, wie Peelings, Zahnpasta, Handwaschmittel
    • mikroskopische Partikel für Reinigungsstrahler oder medizinische Anwendungen 

  • sekundäres Mikroplastik entsteht durch physikalische, biologische und chemische Zerstörung von Makroplastikteilen

Mikroplastik: ein paar Zahlen

  • Pro Jahr werden in Deutschland ca. 15,2 Millionen Tonnen Kunststoff verbraucht
  • Drei Prozent davon landen in der Umwelt: Das sind ca. 456.000 Tonnen pro Jahr. 
    - gut ein Viertel davon sind größere Kunststoffteile
    - bei etwa drei Vierteln spricht man von Mikroplastik
  • Trotz aller Abwasserreingung gelangen in Deutschland jährlich ca. 112.000 Tonnen Mikroplastik in unsere Gewässer.
  • Weltweit wird der Mikroplastikeintrag in Flüsse und Meere auf ca. 9,5 Millionen Tonnen pro Jahr geschätzt.

Wie entsteht Mikroplastik?


Primäres Mikroplastik

...wird bei der Benutzung entsprechender Produkte freigesetzt und gelangt in die Umwelt.

  • Benutzung von Kosmetika wie Duschgel, Cremes, Deodorants, Zahnpasta
  • Benutzung von Wasch- und Reinigungsmitteln

Sekundäres Mikroplastik

...entsteht bei Zersetzungsprozessen von größeren Plastikteilen.

  • Abrieb von Autoreifen: 57 Prozent der Kunststoffeinträge ins Abwasser stammen aus diesem Bereich! 
  • Nassreinigung von synthetischen Textilien wie Fleecejacken, Funktionskleidung oder Regenjacken
  • Abrieb und Verwehung von Sport- und Spielplätzen, Straßenmarkierungen, Farben und Lacken
  • Verluste beim Einsatz von Kunststoffen auf Baustellen und in der Landwirtschaft (z.B. Mulchfolien)
  • Verpackungsmaterialien

Wie gelangt Mikroplastik in den Wasserkreislauf?

Der Kreislauf der Mikroplastik beginnt und endet beim Menschen...

  • Mikroplastik z.B. aus Reifenabrieb wird mit dem Regen direkt ins Grundwasser und später in die Flüsse gespült.
  • Mikroplastik aus Kosmetik oder Kunstfasern gelangen ins Abwasser, können in der Kläranlage aber nur unzureichend entfernt werden und landen ebenfalls in unseren Flüssen.
  • Letztlich gelangen sie in unsere Meere und werden von den Meeresbewohnern aufgenommen.
  • Über den Verzehr von Fisch & Meeresfrüchten kehren sie zurück zu uns Menschen.

Welche Auswirkungen die Aufnahme dieser winzig kleinen Partikel auf Menschen und Tiere hat, ist aktuell nur wenig erforscht.

Wie wird Mikroplastik in der Kläranlage aus dem Abwasser entfernt?

Die moderne Abwasserreinigung nach dem Stand der Technik kann etwa 95 Prozent der eingetragenen Mikroplastikteilchen entfernen. Je kleiner die Partikel umso schwieriger wird aber das Abscheiden der Kunststoffe.

An vier Stellen im Reinigungsprozess werden Plastikteile entfernt:

  1. Größere Plastikteile: Sie gelangen v.a. dann ins Abwasser,  wenn die Toilette als Mülleimer benutzt wird, oder wenn sie mit dem Niederschlagswasser weggespült werden. Sie bleiben meist in den Grob- und Feinrechen schon am Beginn der Abwasserreinigung hängen und werden über das sogenannte Rechengut entfernt.
  2. Schwerere Kunststoffpartikel: Wie Sand, Steine und andere schwerere Schwebteile auch, sinken sie im sogenannten Sandfang ab und werden gemeinsam mit den anderen Sedimenten in dieser Reinigungsstufe abgeschieden.
  3. Leichte schwimmende Kunststoffpartikel: Im Fettfang werden jene Abwasserbestandteile abgesaugt, die von Natur aus "oben schwimmen". Hierzu zählen neben Fetten und Ölen inzwischen auch kleinere Kunststoffteile. Sie werden abgepumpt und gelangen so in den Klärschlamm und werden mit diesem verbrannt.
  4. Sehr kleine Partikel, Mikrofasern: Hier stehen die Chancen, diese aus dem Abwasser zu entfernen, deutlich schlechter. Wasserlösliche Flockungsmittel sollen dafür sorgen, dass sich auch diese Kleinstteilchen mit dem Klärschlamm absetzen, abgesaugt und entsorgt werden können.

     

Wie sieht es in unserer Region aus?

Wir beobachten die Entwicklung sehr genau. Allerdings liegen uns für das Verbandsgebiet von JenaWasser keine konkreten Erkenntisse zur Mikroplastik-Belastung des Abwassers bzw. unserer heimischen Gewässer vor.

Das Thüringer Umweltministerium hat das Vorkommen von Mikroplastik in der Saale bereits untersuchen lassen und dafür auch in unserer Zentralkläranlage in Jena-Zwätzen Proben genommen. Die Ergebnisse liegen noch nicht vor. Sie sollen aber zeitnah veröffentlicht werden.

Weiterhin hat das Land Thüringen gemeinsam mit Berlin und Hamburg eine Initiative gegen Mikroplastik auf den Weg gebracht. Mit dieser Initiative wird die Bundesregierung aufgefordert, nationale Verbote oder Beschränkungen von Mikroplastik zu prüfen und umzusetzen.  Der Zweckverband JenaWasser unterstützt solche Initiativen ausdrücklich. Weitere Informationen zu diesem Vorstoß finden Sie hier.  

Welche Maßnahmen gegen Mikroplastik werden diskutiert?

Dem Mikroplastikproblem muss von verschiedenen Seiten begegnet werden. Ansätze gibt es viele, Forderungen von Umweltverbänden ebenso. Leider tut sich die Politik mit generellen Verboten und strengen Verpflichtungen in diesem Bereich noch recht schwer. 

Infrastrukturelle Maßnahmen

  • Behandlung des auf Straßen und Plätzen anfallenden Regenwassers
  • regelmäßigere Straßenreinigung

Regulatorische Maßnahmen

  • Plastikverbote
  • Ausweitung der Pfandsysteme auf Plastik
  • Kennzeichnungspflicht für Mikroplastik in Produkten

Planerische Maßnahmen

  • Installation von Filtersystemen, u.a. an Straßen und Plätzen
  • Überarbeitung der entsprechenden Regelwerke für Straßenplanung, -bau und -betrieb

Technische Maßnahmen

  • Einbau von Filtersystemen in Kläranlagen, Regenwasserabläufen und Straßensinkkästen
  • Filtersysteme bei textilen Reinigungsprozessen
  • Ausweitung der Klärschlammverbrennung

Was können wir Verbraucher tun?

  • Abfälle nicht über die Toilette entsorgen
  • Abfälle korrekt trennen
  • langlebige Produkte verwenden
  • gezielt Produkte ohne Mikroplastik kaufen
  • auf Kunststoffe soweit möglich verzichten 

Weitere Tipps dazu, was Sie für mehr Gewässerschutz tun können, finden Sie bei "Wir lieben Jena" - dem Blog der Stadtwerke Jena Gruppe.

>>> Hier geht's zum Blogbeitrag